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Das Geschäft mit Tod, Krankheit und den Lügen

Hey Leute,

heute habe ich wieder etwas erlebt was ich gerne mit euch teilen möchte: Die Sonntagsmessen, d.h. 6 Messen über den Tag verteilt, sind hier in der Bischofskathedrale von Alaminos immer überfüllt und die Plätze um die Kirche voller Leute, Stände und auch armen Bettlern, darunter Kinder, Behinderte, Kranke und Lügner!
Nach der 9-Uhr-Messe war ich im CSI einkaufen und brachte meine Ananas in die Küche um diese für das Mittagessen vorbereiten zu lassen. Es war aber niemand da also habe ich sie nur abgelegt und bemerkte aber dass mir jemand in den Vorraum der Küche gefolgt war. Ein Mann im roten T-Shirt mit langen schwarzen Haaren stand vor mir und begann mit mir zu sprechen, nicht bettelnd, nicht bittend, sondern einfach erklärend, dass es seinem 8-Monate alten Sohn nicht gut geht und er sich die Medizin nicht leisten kann, dazu zeigte er mir ein ärztliches Attest mit einer Liste von Medikamenten und Zahlen. Er meinte, dass er die 1200 Pesos sich nicht leisten könne und ob ich seinem Sohn nicht mit einer kleinen Spende helfen wolle. Da ich nur einen 10-Euroschein in der Hosentasche hatte, musste ich ablehnen, aber ich war drauf und dran ihm etwas zu geben. Ich verwies ihn an einige Stellen, die mir einfielen um nach Geld zu fragen. Nur wenige Minuten später sprach ich mit einer meiner Sekretärinnen-Freundinnen über diesen Mann und dass es mir im Herzen wehtut ihm nicht helfen zu „dürfen“ und es auch nicht konnte, weil ich ja kein Geld dabei hatte. Ich sollte ihr den Mann beschreiben und sie wurde bei meiner Beschreibung zur kleinen Furie. Sie erklärte mir, dass dieser Mann schon stadtbekannt ist bei den Offiziellen sich Geschichten auszudenken um die Bewohner der Stadt bei ihrem Sonntagsgottesdienst auszuquetschen und schnelles, einfaches Geld zu geben.

Ich war geschockt, obwohl ich hier schon oft betteln und Armut erlebt habe (was mich jedes mal auf´s Neue tief in mir drin bis aufs tiefste erschüttert und traurig und ein bisschen schuldig werden lässt), denn dieser Mann hat seine „Rolle“ so authentisch gespielt, dass ich ihm beinahe seine ganzen 1200 Pesos, was für mich gerade mal 20 Euro sind, gegeben hätte um das Leben seines kleinen unschuldigen Sohnes zu „retten“. Ich hatte besonders das Bedürfnis aufgrund meiner speziellen, baldigen neuen Berufung als 5facher großer Bruder und ich mir in meinem Kopf dieses kleine, unschuldige und kranke Kind schon vorstellen konnte und dafür momentan besonders anfällig war.

Die Sekretärin hat mir glücklicherweise die Augen geöffnet und mich zu einem anderen Problem gebracht: Solche Leute, wie dieser Mann, die sich als Betrüger einen Namen machen, schaden der Glaubwürdigkeit der vielen wirklich armen Bettler, deren Lebensgeschichte der Realität entspricht, die die Leute dann nicht mehr glauben können, weil sie einmal auf so einen Betrüger reingefallen sind. Wie das Sprichwort sagt: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“ !

Dies wird wahrscheinlich mit die schwerste „Dauerbelastung“, denn hier sind überall kleine, zerlumpt aussehende Kinder, die nach etwas Kleingeld fragen und die Versuchung ist sehr groß, besonders da das Kleingeld für mich nur Centbeträge darstellt, aber für die Leute hier ein großes Mittagessen ist!
Aber wir bekommen auch von den Einheimischen hier gesagt nichts zu geben, „denn wer einmal gibt, muss immer geben“ so heißt es hier.

Naja ich komme noch zu einem kurzen anderen Update: Nicole und Ich werden morgen gemeinsam mit Fr. Ed für 2 Tage nach Manila fahren und dort sicherlich etwas ganz anderes erleben, wie hier auf dem „Land“. Für die Woche ist noch vorgesehen: ein Kinobesuch mit Fr. Gerald in Dagupan („Crazy Stupid Love“) und wahrscheinlich mein Umzug auf die Insel Anda.

Melde mich bald wieder mit neuen Storys und Erfahrungen.

Maraming salamat po for reading my page 😉

Euer Dominic