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Keine Ruhe vor dem Sturm

Zurück in Bolinao packe ich am Montagabend all mein Hab und Gut zusammen. Ich fange bereits damit an auszusortieren, welche meiner Dinge besser auf den Philippinen bleiben und was mir wichtig genug ist um es wieder mit zurück nach Deutschland zu nehmen.
Erst als alles gut verstaut ist schaue ich noch einmal kurz im Konvent vorbei. Es ist still geworden. Fast alle schlafen schon. Nur Father Jem ist noch wach. Spontan lädt er mich zum Abschluss meiner Zeit in Bolinao zu einer Flasche Bier ein. So sitzen wir noch bis nach Mitternacht in einer Kneipe nahe der Kirche zusammen und schwelgen in Erinnerungen.

Auch in der kleinen Hafenstadt im Norden des Bistums heißt es nun bald Abschied nehmen. So ergreift mich doch ein gewisses Gefühl der Traurigkeit als ich an diesem Dienstagmorgen vollbepackt Bolinao verlasse. Ganz so schlimm fühlt es sich diesmal aber noch nicht an. Denn ich weiß, dass ich kurz vor meiner Abreise noch einmal wiederkommen werde um endgültig auf Wiedersehen zusagen.
Die letzten paar Tage vor unserem Urlaub auf den Visayas werde ich nun in Alaminos verbringen.

Dort angekommen nehme ich zunächst an den Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag des Bischofs von Alaminos teil. Es gibt einen Dankesgottesdienst und ein gemeinsames Abendessen. Zusammen mit den übrigen Priestern lassen wir den Abend anschließend im Bischofshaus gemütlich ausklingen.

Über Nacht zieht dann der Sturm herauf. Taifun Conson erreicht nun auch Pangasinan. Immer wieder fällt der Strom aus. Ohne Fan oder Klimaanlage wird es in den stickigen Gästezimmern über der diözesanen Radiostation schnell unangenehm heiß. Es wird eine schlaflose Nacht.
Doch wir haben gewissermaßen Glück im Unglück. Die Millionenmetropole Manila ist bereits seit Tagen ohne Elektrizität. Der Sturm kappte dort viele der überaus empfindlichen Oberleitungen. Das öffentliche Leben steht nahezu still. Trams fahren nicht. Schulen und Behörden sind geschlossen, Geschäfte nur stundenweise offen.
In Süd- und Ostluzon verursachte der Tropensturm darüber hinaus starke Verwüstungen, teils mit Überschwemmungen. Passanten wurden von herabfallenden Teilen, entwurzelten Bäumen oder kollabierten Strommasten erschlagen. Fischer geraten in Seenot. Zwanzig Menschen starben, 57 werden noch immer vermisst.

Unter diesen Umständen bleibt nur zu hoffen, dass sich das Unwetter bis Freitag wieder etwas gelegt hat. Dann müssen nämlich auch wir in die vom Sturm gebeutelte Hauptstadt. Über Manila geht es für uns dann am Wochenende weiter auf die Zuckerinsel Negros. Unsere letzten Ferien führen uns zudem über Bohol und Panglao nach Cebu. Für die letzten Tage vor unserem Rückflug nach Deutschland kehren wir dann noch einmal nach Pangasinan zurück.