Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Ins Wasser gefallen

Schon am Donnerstagabend steht alles ganz im Zeichen des Youth Camps am kommenden Wochenende. Zusammen mit den anderen Gruppenleitern lasse ich mich beim letzten Meeting von den verantwortlichen Schwestern briefen. Seinen Abschluss findet das Treffen bei einer gemeinschaftlichen Anbetung in der Kirche – gewöhnungsbedürftig, aber auszuhalten.

Der folgende Tag beginnt schon früh mit den Aufbauarbeiten für das Zeltlager in der High School eines nahegelegenen Barangays. Ich helfe, wo ich kann. Für mich ergibt sich bei den Vorbereitungen die Gelegenheit ungezwungen mit den Jugendlichen der Pfarrei in Kontakt zu kommen. Schnell komme ich mit einigen der Teamer ins Gespräch und verstehe mich auf Anhieb mit ihnen.
Um die Mittagszeit treffen die Teilnehmer ein. Es finden erste Aktivitäten zum gegenseitigen Kennenlernen statt. Wie immer wird viel gesungen und getanzt. Noch immer fällt es mir schwer, den philippinischen Übermut bei der Selbstdarstellung auf der Bühne zu teilen. Die am Abend folgenden Vorträge geladener Priester aus den umliegenden Bistümern und die damit verbundenen Diskussionsrunden in Kleingruppen sind da eher mein Fall.
Kurz nach dem Abendessen bricht dann das Unwetter über uns hinein. In Sekundenschnelle setzt ein starker Platzregen ein, der uns kaum Zeit lässt unsere Habseligkeiten und uns selbst ins Trockene zu bringen. So harren wir unter den wenigen Unterständen aus. Das Programm wird bis auf weiteres abgebrochen. Bis spät in die Nacht regnet es weiter. Wir schlagen unsere Schlafplätze auf, wie wir gerade stehen. Ich schlafe nur wenig.

Etwas zerknautscht verlasse ich am nächsten Morgen das Lager um Fr. Jeremy bei einem seiner Besuche auf Silaki Island zu begleiten. Nach der obligatorischen Messe schauen wir uns gemeinsam die Fortschritte der Bauarbeiten am dortigen Trinkwasserprojekt an. Der Regenwassertank am höchsten Punkt der Insel ist mittlerweile fertiggestellt. Das Dach ist gedeckt, soll allerdings für eine größere Wasserausbeute noch einmal um das doppelte verlängert werden. Die Anschlüsse für die Versorgung des am Fuße der Anhöhe gelegenen Dorfes sind bereits gesetzt, leider aber noch nicht verschlossen. Durch diese Unachtsamkeit konnten die Regenfälle der vergangenen Tage noch nicht für eine erste Füllung des Tankes genutzt werden und das Wasser ist einfach wieder abgeflossen. So schnell wie möglich sollten jetzt die Rohre ins Dorf gelegt werden und dort eine entsprechende Zapfstelle angeschlossen werden, sodass die Menschen schon bald von dem frischen Trinkwasser profitieren können. Eigentlich hätte dort mittlerweile schon mehr passieren können.

Etwas enttäuscht kehre ich nachmittags ins Zeltlager zurück. Das Programm geht dort wieder seinen gewohnten Gang. Nach dem Abendessen findet die sogenannte Social Night statt. An diesem letzten Abend hat dabei jede Gruppe die Möglichkeit etwas Eigenes zum Programm beizutragen. Im Anschluss spielt eine Live-Band bis in die frühen Morgenstunden peppige Rockmusik. Wieder regnet es in Strömen. Anders als letzte Nacht sind wir diesmal allerdings besser vorbereitet, sodass das Programm ohne weitere Unterbrechungen fortgeführt werden kann.

Unausgeschlafener als je zuvor begleite ich noch vor dem Frühstück einen der Verantwortlichen bei Besorgungen in der Stadt. Mittendrin bleibt sein Auto stehen. Alle Startversuche, viele Blicke unter die Motorhaube und kraftvolles Anschieben helfen nicht. Ratlos stehen wir am Straßenrand. Da fällt unserem Fahrer auf einmal ein, dass er doch schon ziemlich lange nicht mehr getankt hat. Die defekte Tankanzeige gibt leider keine Auskunft über den Füllstand des Tanks. Kurzerhand machen wir uns also mit zwei leeren Cola-Flaschen auf den Weg zur nächsten Tankstelle. Diese dort füllen zu lassen ist hier anders als in Deutschland gang und gäbe. Nachdem wir dem Motor diese kleine Notration injiziert haben schnurrt er auch schon wieder ganz zufrieden.
Zurück im Lager herrscht bereits Aufbruchsstimmung. Nach einer letzten Feedbackrunde packt ein jeder seine Sachen und wir brechen gemeinsam auf in das abgelegendste Barangay der Pfarrei. Die tiefen Löcher der ausgewaschenen Straßen werfen uns auf der Ladefläche eines Lastwagens von einer Seite auf die andere. Endlich angekommen, wird ganz nach philippinischer Manier zunächst Messe gehalten. Es folgt eine Prozession.
Nach einem kleinen Snack treten wir dann den Heimweg an. Ich bin froh, nach all den Strapazen wieder im bequemen Bett meines neuen Zuhauses zu liegen und endlich etwas Schlaf nachholen zu können.