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Beschäftigungs- und andere Therapien

Im Altenheim der Little Sisters of the Poor ist Putzen unterdessen zu meiner neuen Hauptbeschäftigung geworden. Zu Beginn eines jeden Arbeitstages erwartet mich eine der Schwestern gewissermaßen schon mit dem Putzlappen in der Hand. Immer wieder gibt es irgendwas Neues sauber zu machen. So verbringe ich Tag ein Tag aus damit Ventilatoren vom über die Monate eingesaugten Staub zu befreien, Böden zu wischen und Fenster zu putzen.

Darüber hinaus assistiere ich nun immer häufiger bei der Physio- und Bewegungstherapie im luxuriösen Sportbereich des Altenheims. Beim Ballspielen mit den Rollstuhlfahrern oder dem „unter die Arme greifen“ während der Gehübungen scheine ich fast der einzige zu sein, den die Übungen wirklich anstrengen. Während mir die Hitze schon nach Minuten die Schweißperlen auf der Stirn treibt, verziehen die Alten keine Miene und machen ganz entspannt weiter.
Bei den Bastelarbeiten im Anschluss kann auch ich mich dann ein bisschen ausruhen. In kontemplativer Stille ziehen die betagten Bewohner Faden für Faden aus Stofffetzen. Später sollen damit Kissen befüllt werden. Ich zerschneide zu diesem Zweck alte Gardinen und Tischdenken zu handlichen Stücken und kümmere somit mich um ständigen Nachschub in der Kissenstopfproduktion.

Nach dem Mittagessen helfe ich regelmäßig beim Abwasch und werde wohl bald auch mal einen ganzen Tag in der Küche mitarbeiten. Eine der Schwestern berichtete mir nämlich kürzlich von ihrer Leidenschaft fürs Brotbacken und würde unheimlich gerne ein deutsches Rezept ausprobieren. Ich glaube, sie weiß nicht, auf was für ein Wagnis sie sich da mit mir einlässt. Das Resultat darf auf jeden Fall mit Spannung erwartet werden.

An den verbleibenden, freien Nachmittagen unterhalte ich mich außerdem weiterhin viel mit den alten Leuten. Als eine der Damen bestürzt erfährt, dass ich nicht weiß, wie man den Rosenkranz betet, schenkt sie mir spontan den ihren mitsamt einer entsprechenden Gebetsanleitung. Ich wiegele ab, habe aber keine Chance. Sie lässt einfach nicht locker. Etwas beschämt nehme ich ihr etwas anderes Präsent entgegen. Ihre Euphorie kann ich dabei nicht ganz teilen und hoffe zugleich inständig, dass man es mir nicht ansieht. Vielleicht werde ich wirklich beten – beten, dass ich in den kommenden Tagen nicht abgefragt werde.

2 Kommentare

  1. Mama Mama 27. Mai 2010

    Hi Zacharias, ich wüsste ja jemanden, der Dir den Rosenkranz erklären könnte, falls Du abgefragt werden solltest 🙂

    • Zacharias Zacharias Autor des Beitrages | 28. Mai 2010

      Naja, ich habe ja eine Anleitung zum Rosenkranz beten bekommen. Das ist nicht das Problem. Die Sache ist eher, dass ich da nicht so wirklich Lust drauf habe 😉