Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Alles neu in Bolinao

bolinao_01Pünktlich zum Abendessen treffe ich am Dienstagmorgen in der Hafenstadt Bolinao im Norden des Bistums Alaminos ein. Das dortige Pfarrhaus ist für jeden uneingeschränkt offen und daher stets voller Leben. Ich fühle mich sofort wohl. Die beiden Priester, Ordensschwestern, junge wie alte Ehrenamtliche und die Stipendiaten der Kirchengemeinde, die Köchin und sogar der Hausmeister, alle sind sie da. Man bereitet mir einen warmen Empfang. Ein jeder ist furchtbar nett und aufgeschlossen. Einer nach dem anderen stellen sie sich vor. Kaum haben sie ihren Namen gesagt, habe ich ihn auch schon wieder vergessen. Das wird sich hoffentlich in den kommenden Tagen geben. Erfreut stellt man fest, dass ich mich bereits an das philippinische Küche gewöhnt habe und mit großem Appetit esse.
Nach dem Essen sitzen wir noch eine Weile beisammen, unterhalten uns und spielen Karten. Schnell sind einige drauf und dran englische Tage einzuführen, um mir die Konversation in der Gruppe zu erleichtern und mich so besser zu integrieren. Ich kann gerade noch einlenken und anmerken, dass es eigentlich an mir sei mein Tagalog zu verbessern. Vielmehr sollte ich Strafe für jedes englisch Wort zahlen, das ich sage. Ich hätte es auf alle Fälle nötig.
Am nächsten Tag richte ich mich in meinem neuen Zimmer im kleinen Gästehaus der Pfarrei ein. Mit meiner Deutschlandflagge und Fotos an der Wand wirkt es in dem kleinen Raum doch direkt wohnlicher und ein bisschen mehr nach meinem neuen Zuhause. Ich genieße die kleinen Dinge, die ich die letzten Monate in Salasa nicht hatte, und doch nie vermisst habe: Eine eigene Klimaanlage, eine warme Dusche und Bohnenkaffee zum Frühstück – all das ist für mich mittlerweile Luxus pur! Nach dem Mittagsessen streife auf dem Pfarreigelände umher und schaue mir die Kirche, das Pfarrhaus und die angrenzende private katholische Grundschule an. Wieder begegnen mir viele neue Gesichter. Ich grüße freundlich und werde daraufhin immer wieder in ein kurzes Gespräch verwickelt. Zurück im Pfarrhaus geselle ich mich zu Cecilio und Terré, dem netten Ehepaar, dass in der Pfarrei zum Kochen und für die Gärtnerarbeiten zuständig ist, und schwätze ein wenig mit ihnen während sie sich schon um die Zubereitung des Abendessens kümmern.
Nachmittags begleite ich Father Jeremy zu einer Hochzeit nach Sandiago Island. Während der Fahrt komme ich mit einem der Scholars näher in Kontakt und wir unterhalten uns viel. Von der Trauung bekommen wir dadurch kaum noch etwas mit. Da mir das Prozedere bereits aus Salasa wohl bekannt ist, setze ich allerdings gerade heute andere Prioritäten. Zum Abschluss des Tages schaue ich mit dem Rest der „Familie“ zusammen eine der allabendlichen und vor Schmalz triefenden, philippinischen Daily-Soaps an. Zwei Stunden später falle ich hundemüde ins Bett.
Zusammen mit Father Jeremy und drei weiteren Gästen steuern wir nach dem Frühstück den legendären Patar White Beach unweit der Stadt an. Wir stürzen uns in das azurblaue Wasser und genießen den weißen Sandstrand. Im Anschluss besuchen wir außerdem einen unterirdischen Süßwassersee ehe wir in einer Strohhütte am Meer zu Mittagessen.
Gut gesättigt fahren wir weiter zu meiner zukünftigen Arbeitsstelle, dem Altenheim der Little Sisters of the Poor im Barangay Tara. Wir werden freudig willkommen geheißen und bereitwillig herumgeführt. Außerdem treffen wir erste Absprachen hinsichtlich meiner neuen Tätigkeit. Nach einer weiteren Stärkung in Form von Keksen und Eistee geht es weiter nach Zaragosa, einer kleinen Pfarrei, die zurzeit von Bolinao aus mit verwaltet wird.
Zurück in der Kirche mache ich einen kurzen Ausflug durch die Stadt. Anders als Salasa verfügt die Pfarrei Bolinao nämlich über keinen eigenen Internetzugang, sodass ich neben einigen anderen Besorgungen in erster Linie auf die Suche nach einem Internetcafé gehe. Nach kurzer Zeit werde ich fündig und so ist es mir nun erstmals möglich ein kurzes Lebenszeichen aus meiner neuen Einsatzstelle zu senden.