Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Sex for Sale

In der heutigen Nacht begleiten wir einen der von PREDA regelmäßig durchgeführten Barvisits. Um 21 Uhr treffen wir uns mit drei Mitarbeitern des Rescue-Teams. Sie bereiten uns zunächst darauf vor, was uns in den Nachtclubs erwarten wird und erklären kurz, wie wir uns möglichst unauffällig in der für uns ungewohnten Umgebung bewegen. Per Jeepney fahren wir dann in Olongapos Rotlichtbezirk, das Barrio Barretto.
Primäres Ziel unseres nächtlichen Ausfluges ist nach Minderjährigen in Sexbars Ausschau zu halten und im Fall der Fälle weitere Schritte in Zusammenarbeit mit den Behörden zu unternehmen.

In die erste Bar werfen wir nur einen kurzen Blick. PREDA erhielt erst vor Kurzem einen Hinweis, dass in eben diesem Etablissement ein minderjähriges Mädchen als Tänzerin engagiert sein soll. Doch leider gibt es an diesem Abend keine Spur von dem Mädchen, auf das die entsprechende Beschreibung passen würde. Vielleicht arbeitet sie heute nicht, vielleicht hat der Barbesitzer einen Tipp bekommen. PREDA wird den Nachtclub weiter im Auge behalten.

Im zweiten Nachtclub setzen wir uns und bestellen etwas zu trinken. Unverzüglich gesellen sich eine handvoll Hostessen an unseren Tisch. Sie erwarten einen sogenannten Lady’s Drink spendiert zu bekommen. Mit diesem sehr teuren, meist alkoholfreien Cocktail erkauft man sich gewissermaßen ihre Gesellschaft für diesen Abend. Ich weise sie ab und vertiefe mich stattdessen in ein Gespräch mit einem der anderen Freiwilligen. Auch er ist froh sich mit etwas anderem beschäftigen zu können.
Nur unser für die heutige Aktion verantwortliche Teamleader nimmt das Angebot an und versucht durch die Dame nach und nach einige Informationen über die Mädchen herauszubekommen, die in diesem Club arbeiten.
Denn in der Mitte des Raumes tanzen an die zehn, noch viel zu junge Mädchen leichtbekleidet auf einer erhöhten Tanzfläche. Es scheint gerade so, als ob die meisten gerade erst ihren achtzehnten Geburtstag hinter sich haben. Allesamt steht ihnen ein gezwungener, unsicherer Ausdruck ins Gesicht geschrieben. Sie fühlen sich offensichtlich alles andere als wohl an diesem Ort – Verständlicherweise. Fette, alte, hässliche, meiste ausländische Männer sitzen auf Barhockern um sie herum und begaffen sie lüstern. An die Bikinis der Mädchen sind Nummern geheftet. Für umgerechnet etwa zwanzig Euro braucht man sich hier nur eine Nummer aussuchen und kann dann mit dem Mädchen seiner Wahl auf eines der zahlreichen Zimmer gehen. Allein der Gedanke widert mich an!
Ähnlich wie die Tänzerinnen fühle auch ich mich absolut unwohl in dieser Bar. Nach zwei Bier verlassen wir den Nachtclub, zum Glück.

Es bleibt nur kurz Zeit frische Luft zu schnappen. Dann fahren wir auch schon weiter nach Subic, bereits außerhalb der Stadtgrenze Olongapos gelegen. Dort steuern wir die nächste Sexbar an. Wir betreten einen in schummrig rotes Licht getauchten Raum. Das Arrangement ist wohlbekannt. Wieder tanzen Frauen vor Zuschauern. Dieses Mal ist das Publikum zu meiner Verwunderung in erster Linie einheimisch. So absurd es auch klingen mag, aber manche Männer scheinen sogar ihre Ehefrauen und Freundinnen mitgebracht zu haben. Die Stimmung ist entspannter.
Obwohl die Tänzerinnen auf der Bühne nur spärlich bekleidet, beinah schon vollkommen nackt sind, macht es den Eindruck, als ob sie sich einigermaßen wohl in ihrer Haut fühlen und trotz allem ihre Würde bei dieser Art der Arbeit behalten. Außerdem sind sie ein ganzes Stück älter und reifer als die Mädchen im vorherigen Nachtclub. Ich fühle mich etwas besser.
Auch hier trinken wir wieder zwei Bier. Gegen halb ein Uhr verlassen wir die Bar und treten den Heimweg an.

Eine Stunde später liege ich im Bett. Aufgewühlt von den Eindrücken des Abends fällt es mir schwer Schlaf zu finden.