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Knastkinder

Und wieder Manila! Zusammen mit zwei Sozialarbeiterinnen und einem Paralegal Officer gehen wir heute in die Gefängnisse.

preda_51Wir betreten das Stadtgefängnis der Polizeistation in Pasig City. Eine der Sozialarbeiterinnen erklärt unser Anliegen. Wir suchen nach Minderjährigen. Man gewährt uns Einlass. Die Zustände sind besorgniserregend. Je vierzig Inhaftierte teilen sich eine Zelle; Jugendliche, Frauen und Männer gemischt. Manche von ihnen sind nur in Polizeigewahrsam, werden auf Verdacht festgehalten. Andere warten auf ihren Gerichtsbeschluss oder sind bereits verurteilt. Gerade Jugendliche werden oft länger als erlaubt festgehalten. Kleinkriminelle teilen die Zelle mit Schwerverbrechern. Die meisten sitzen allerdings wegen Bagatellen ein: leichter Drogenmissbrauch, Diebstahl. Es gibt eine einzige total verdreckte Toilette. Keine Verpflegung. Verwandte bringen Essen oder besuchen die Inhaftierten. Da sie sich zusammen mit den Gefangenen direkt in den Zellen aufhalten, ist es schwer Gefangene und Besucher voneinander zu unterscheiden.
In den Augen der Menschen ist Resignation zu lesen. Trotzdem lachen sie uns an als wir kommen. Sie scheinen sich über unseren Besuch zu freuen. Ein Funken Hoffnung oder einfach nur eine kleine Abwechslung in der Langeweile des Knastalltags?

preda_53Wir finden drei Minderjährige. Die Sozialarbeiter interviewen sie und nehmen ihren Fall auf. Nach einigem Hin und Her und noch mehr Papierkram gelingt es einen der drei Jungen mitzunehmen. Er ist schüchtern, redet kaum. So richtig weiß er, glaube ich, noch nicht, wie ihm geschieht oder was ihn erwartet. Mit der Zeit taut er auf.

Im zweiten Gefängnis sind die Zustände noch erschreckender. Die Zellen sind klein und versüfft. Fünf Jugendliche warten hier auf ihr Gerichtsverfahren. Wenigstens sind sie, ganz wie es das philippinische Gesetz vorsieht, in einer separaten Zelle von den Erwachsenen getrennt untergebracht. Ihre Fälle werden aufgenommen. Leider können wir keinen der fünf Jungen mitnehmen. Ohne ein offizielles Ersuchen beim Sozialamt sind den Sozialarbeitern die Hände gebunden. Entsprechende Anträge, die Jugendlichen zu PREDA zu überstellen, werden in den kommenden Tagen eingereicht.

Auf dem Rückweg nehmen wir noch einen weiteren Jungen mit. Er erwartet uns bereits im städtischen Familien- und Sozialamt in Valenzuela. Urspünglich war er in in einer anderen Rehabilitierungseinrichtung untergebracht und soll nun aber zu PREDA überführt werden.
Im Anschluss gehen wir gemeinsam Abendessen. Unsere beiden Jungs trauen ihren Augen kaum als wir ein sehr bekanntes Fastfoodrestaurant ansteuern. Sie bestellen die doppelte Portion. Sie sind überglücklich.

Während der Autofahrt zurück nach Olongapo erzählen die beiden Social Workers den Jungen von PREDA und erklären ihnen welche neuen Möglichkeiten sie dort haben werden. Sie bekommen leuchtende Augen. Für die zwei muss das der Himmel auf Erden sein, vielleicht aber auch einfach nur der Rettung aus der Hölle.
An Abhauen denkt erst einmal keiner mehr.