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Kleine Momente

.. die an die Substanz gehen

  • Joe und Amerikano genannt zu werden
  • genau zu merken, wie andere über einen reden, aber dann doch kein Wort verstehen zu können; darüber hinaus sprachliche Hindernisse im Allgemeinen, Missverständnisse und Nosebleeding
  • in einem Bad voller Moskitos zu duschen, sowie kurz vor dem Einschlafen festzustellen, dass man Stechmücken unterm Moskitonetz hat; mit dem Ergebnis zerstochener Füße, Augenlider und Gelenke
  • auf dem Markt den doppelten Preis vorgeschlagen zu bekommen und ihn aber trotzdem nur kläglich runterhandeln zu können; eben generell als reicher Weißer zu gelten
  • ständig und überall etwas zu essen angeboten zu bekommen und nur unter erschwerten Bedingungen ablehnen können und so einen ständig vollen Magen zu haben während vielerorts die Menschen hungern müssen
  • bettelnde Kinder, Schwangere, Alte und Kranke
  • quängelnde Kinder im Waisenhaus und andere freiwillige Studenten, die die Kinder verhätscheln
  • sich beim Wäschewaschen die Finger wund zu schrubben um danach zu sehen, dass die Kleidung doch nicht wirklich sauber ist
  • zu riechen, wie jeder Haushalt mindestens einmal die Woche seinen Müll auf der Straße verbrennt
  • zu sehen, wie das Auto vor uns einen Hund anfährt und noch nicht einmal die Geschwindigkeit drosselt
  • gegrillter Hund auf dem Barbecue
  • Antibiotika als einzelne Tabletten in der Apotheke kaufen zu können
  • wenn mitten im Telefongespräch die Internetverbindung abbricht

.. die einen immer wieder aufbauen

  • aufklärende Gespräche mit neugierigen Filipinos zu führen
  • den Fischern bei ihrer Arbeit vom Flussufer aus zuschauen
  • von einer wildfremden Sitznachbarin im Bus eine Banane geschenkt zu bekommen
  • meine Kinder im Waisenhaus, die sich so sehr freuen, wenn ich morgens komme und sich jeden Tag rührend von mir verabschieden
  • einem Kind die Windel zu wechseln und danach ein zufriedenes Lächeln geschenkt bekommen
  • das Anschalten des Ventilators
  • mit Koch Arman Gitarre zu spielen, zu singen und gegen ihn im Schach zu verlieren
  • einen seltenen Moment der Ruhe genießen und die Seele baumeln lassen
  • mit Sonja einen trinken gehen und sich über die Eigenarten der Filipinos auszulassen
  • mit Fr. Bok und Arman während eines Stromausfalls Schokoladeneis zu essen
  • das satte Rot mit dem hier so oft die Sonne untergeht
  • beim Joggen Ziegen mit ihren kleinen Jungen und Hennen mit Küken anzutreffen
  • wenn dem ein oder anderen während meiner Nachhilfestunden doch mal ein Licht aufgeht
  • mit Fr. Bok über kritische theologische Themen diskutieren
  • ein Paket von den Lieben aus der Heimat zu erhalten
  • überhaupt Internet und nahezu immer Strom zu haben
  • seinen Urlaub und ein gutes Buch genießen

So hat eben alles – auch hier auf den Philippinen – seine guten und schlechten Seiten.