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Ein Dorf im Nirgendwo

preda_12Noch vor Sonnenaufgang brechen wir am frühen Dienstagmorgen nach Botolan auf. Die Stadt im Norden der Provinz Zambales wurde im letzten Jahr stark von Taifunen und Überschwemmungen heimgesucht. Auch der Vulkanausbruch des nahen Mount Pinatubos im Jahre 1991 ist trotz der langen Zeit noch nicht vollständig überwunden. Vor allem die indigen Aetas wurden von den Unglücken der vergangenen Jahrzehnte besonders hart getroffen. Noch immer leben sie in Zeltstädten und provisorischen Notunterbringungen am Rande der Stadt.
In den Bergen soll nun mit der Hilfe von PREDA ein neues Aeta-Dorf entstehen, in dem die Menschen ganz nach alter Tradition von Viehzucht und Landwirtschaft leben können. Zusammen mit Alex Hermoso und einer Delegation der Aetas, angeführt von ihrem Häuptling, schauen wir uns heute das zuvor für dieses Projekt ausgewählte Bergplateau an.
Es liegt derart abgelegen, dass wir schon in Botolan unseren klimatisierten Van zurücklassen müssen. Stattdessen steigen wir um auf einen sogenannten weapons carrier, ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg, auf dem seiner Zeit die großen Artilleriegeschosse transportiert wurden. In diesen Tagen dient der übergroße Pickup wohl eher als „humans carrier“, der uns die Weiterfahrt auch noch in unwegsamem Gelände ermöglicht.
Es geht vorbei an den Notunterkünften, durch Flüsse, über Stock und Stein. Die Landschaft ist zerklüftet. Die Handschrift Pinatubos ist auch nach all den Jahren noch gut zu erkennen. Nach und nach holt sich die Natur nun dieses zuvor so leblose Fleckchen Erde wieder zurück. Zwischen dem Basaltgestein grünt es, Büsche und kleinere Bäume strecken sich gen Himmel. Ein wundervoller Anblick!

preda_22Nach etwa einstündiger Fahrt kommt auch unser außergewöhnliches Transportmittel nicht mehr voran. Also geht es zu Fuß weiter. In der glühenden Mittagshitze wandern wir durch verdorrtes Grasland und kleine Wälder. Wir überqueren Flüsse, hüpfen von Stein zu Stein.
Zur Mittagszeit erreichen wir unser Ziel. Mitten im Nirgendwo soll eine neue Siedlung für etwa dreißig Eingeborenen-Familien entstehen. Genug Platz für Häuser, Weiden und Felder steht auf jeden Fall zur Verfügung. Ein Fluss ist nicht weit. Ob an dieser Stelle wohl ein Supermarkt errichtet wird bleibt fragwürdig.

preda_24Nach der Ortsbesichtigung versammeln wir uns zum gemeinsamen Mittagessen in der Nähe eines kleinen Bächleins. Wir halten die Füße ins Wasser und essen unser Lunchpaket. Es folgt ein zweistündiges Meeting mitten im Busch bei dem noch offene Fragen und weiteren Aspekte des Umsiedlungsprogrammes eingehend diskutiert werden. Ein Großteil der Unterhaltung findet auf Tagalog statt. Ich komme kaum mit. Ohne ein schlechtes Gewissen zu haben mache ich ein kleines Nickerchen. Die Pause tut gut.

Ich werde unsanft geweckt. Es geht nun den ganzen Weg zurück. Wieder in Botolan angekommen steht uns ein weiteres Meeting mit dem Bürgermeister der Stadt bevor. Trotz des Mittagsschlafes bin ich hundemüde. Der servierte Kaffee verhindert das Schlimmste.

Erst bei Dunkelheit sind wir zurück.