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Der grüne Däumling

Am Montagvormittag wagen wir einen letzten Versuch Father Cowboy im Sheperd’s Home anzutreffen. Gerade als wir das Priesterseminar verlassen wollen, kommen die drei Partnerschaftsbeauftragten von ihrem Wochenendbesuch aus Mabini zurück. Sie gesellen sich spontan zu uns. Nach einem kurzen Fußmarsch gelangen wir an die Pforte des besagten Heims für pensioniere Priester. In der Mitte dieses traditionell aus dünnen Bambuswänden gebauten Hauses befindet sich ein eindrucksvoller kleiner Garten. Wer mag in dieser Idylle nicht auch gerne seinen Lebensabend verbringen? – ob es sich lohnt dafür ein streng enthaltsames auf sich zu nehmen?
Zunächst klopfen wir nur zaghaft an die Tür, klingeln dann sogar die eigens für unangemeldete Besucher angebrachte Glocke. Doch unsere Anwesenheit bleibt ungehört. Erst als sich Ingrid mutig ins Innere des Hauses vortastet findet sich ein hilfsbereiter Angestellter, der alsbald nach dem alten Priester Ausschau hält. Unterdessen nehmen wir in den einladenden Polstermöbeln des Eingangsbereiches Platz.
Nach wenigen Minuten kommt der 80-jährige Priester in kurzer Jeanshose und zerschlissenem Feinripp-Unterhemd aus dem Garten gewackelt. Wir unterhalten uns kurz. Er betont mehrmals, wie viel ihm an seiner neuen Leidenschaft, der Gärtnerei, liege, seitdem er gesundheitsbedingt nicht mehr so viel Sport machen kann wie noch in jungen Jahren. Kurze Zeit später zeigt er uns daraufhin seinen weitläufigen Garten. Überall grünt und gedeiht es. Er scheint wirklich eben jenen grünen Daumen zu haben, der ihm von so vielen Leuten hier nachgesagt wird. Leider haben wir nicht viel Zeit uns über Einzelheiten der philippinischen Botanik auszulassen, sodass wir schon bald den Rückweg ins Priesterseminar antreten. Da Peter und Christian noch immer nicht von ihrem offiziellen Meeting mit Father Rey und dem Bischof zurück sind, fangen wir schon mal alleine mit dem Mittagessen an.

Eine halbe Stunde später trudeln dann auch die beiden Männer ein. Es bleibt wenig Zeit für Geplänkel. Schnell geht es weiter nach Bolinao, meiner möglicherweise zweiten Einsatzpfarrei nach Salasa. Auf halbem Weg dorthin sammeln wir das zweite partnerschaftliche Besuchskomitee in Bani ein. Unsere Gruppe ist nun wieder komplett.
In der kleinen Hafenstadt angekommen besichtigen wir zunächst die mehr als 400 Jahre alte Kirche. Bis in die späte spanische Kolonialzeit fiel Bolinao als Umschlagplatz zwischen asiatischen und europäischen Handelsschiffen eine besondere Bedeutung zu. Im Anschluss an die kurze Geschichtsstunde werden wir herzlich zu Kaffee und kleinen Snacks ins angrenzende Pfarrhaus eingeladen. Nach einer kurzen Vorführung eines traditionellen spanisch-philippinischen Tanzes werden wir zum Gespräch mit dem Pfarrer und einigen Pfarreimitgliedern gebeten. Die Pfarrei an der Küste des Südchinesischen Meeres hat noch immer mit den Auswirkungen der drei überaus heftigen Taifune des vergangenen Jahres zu kämpfen. Viele Fischerfamilien verloren ihre Väter während dem Sturm auf Hoher See und sind jetzt mittellos. Häuser sind von Taifunschäden gezeichnet und sogar in der Kirche und im Pfarrhaus ist man noch immer mit dem Wiederaufbau beschäftigt.
Zum Abschied bringen wir unseren Gastgebern noch ein kleines Ständchen. Ehe es zu dämmern beginnt haben wir noch die Möglichkeit einen kleinen Abstecher zu Bolinaos altem Hafen zu machen, von dem aus man einen fantastischen Blick auf die angrenzende Santiago Island hat.

Zurück in Alaminos nehmen wir die Einladung des bereits abgereisten Weihbischofs wahr und gehen gemeinsam in Maxine‘s Küstenrestaurant Essen. Leider ist unser Abendprogramm damit noch lange nicht beendet. Im Priesterseminar wartet noch eine ausgiebige Evaluationsrunde bezüglich der Erlebnisse des vergangenen Wochenendes in den Partnerpfarreien auf uns.