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Gegen den Hunger, für die Enthaltsamkeit

Zusammen mit den Missionarinnen der Nächstenliebe aus Dagupan und Capitan Dadong, einem Mitglied des Pastoral Council besuchen wir heute die ärmsten Familien der Pfarrei. Wir verteilen Essensmarken für die bevorstehende Vergabe von Hilfsgütern am Jahresende. Die Schwestern nehmen sich viel Zeit für die einzelnen Hausbesuche und den Kontakt zu den Menschen. Wir gehen in die Häuser der Familien, erklären den Ablauf der Essensvergabe, unterhalten uns über Gott und die Welt. So treffen wir auch auf eine alte Frau, die mutterseelenallein zwischen verlassenen Häusern sitzt. Sie hat Hunger. Ihre Familie ist schon am frühen Morgen zu einer Hochzeit aufgebrochen und hat sie zurückgelassen, ohne Essen oder irgendeiner anderen Art von Unterstützung. Wir helfen der zittrigen Dame, deren Sehkraft bereits beträchtlich nachgelassen hat, etwas Reis im Nachbarhaus aufzutreiben und drücken ihr unter langen Erklärungen zusätzlich eine Essensmarke in die Hand. Mit einem Lächeln auf den Lippen winkt sie uns noch lange zum Abschied nach.
In einem anderen Haus fallen uns auf den ersten Blick die Großaufnahmen leichtbekleideter Frauen an den Wohnzimmerwänden ins Auge. Ein Bildnis der Heiligen Mutter Gottes sucht man vergebens. Das gefällt den Missionarinnen gar nicht. So wird das Familienoberhaupt für eine der begehrten Essensmarken mit sanfter Gewalt dazu bewegt die anzüglichen Bilder umgehend wieder zu entfernen. Gegen den Hunger, für die Enthaltsamkeit! Eine der Ordensschwestern sackt die sündhaften Bildnisse ohne Umschweife ein, reißt sie in Stücke und entsorgt sie so schnell wie möglich.

Dieser intensive Kontakt kostet Zeit. Daher schaffen wir in der glühenden Hitze dieses Vormittags nur etwa siebzig Haushalte. Die verbleibenden 130 Essensmarken werden in den kommenden Tagen durch weitere Verantwortliche der Pfarrei verteilt.