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Ausnahmezustand im Waisenhaus

Auch im Waisenhaus herrscht mittlerweile der vorweihnachtliche Ausnahmezustand.

Die Weihnachtsfeier der Missionarinnen der Nächstenliebe gab am Mittwoch den Auftakt zu ersten Weihnachtsvorbereitungen hinter den Mauern des Konvents. In Windeseile wurde erst kurz zuvor das Waisenhaus weihnachtlich geschmückt. Kitschig-bunte Plastikdeko ziert nun sporadisch die sonst so kahlen Decken, Wände und Türrahmen. So kann die Feier beginnen. Es wird Gottesdienst gehalten. Später gibt es Essen für alle Gäste sowie bedürftige Familien aus der Umgebung. Jung und Alt erfreut sich unterdessen an Spielen wie „Reise nach Jerusalem“ und Stopptanz. Kurze Gesangseinlagen und andere Vorführungen folgen.

Seit Mittwoch kehrt im Waisenhaus nur noch selten Ruhe ein. Beinahe stündlich kommen neue Besucher ins Kinderheim. Sie singen Weihnachtslieder, bringen Essen und Geschenke. Gerade zu Weihnachten scheinen viele der etwas Reicheren ihr schlechtes Gewissen mit dem Verteilen wohltätiger Gaben erleichtern zu wollen. Mit dem Auspacken der Geschenke wartet hier allerdings niemand bis zum Festtag. Unter dem bunten Geschenkpapier kommen Süßigkeiten und billiges Plastikspielzeug aus China zum Vorschein. Nach weniger als zehn Minuten des ausgiebigen Spielens ist das dann auch schon kaputt und landet unbeachtet in der nächsten Ecke, geduldig darauf wartend von mir in den Mülleimer befördert zu werden. Was für die Kindergartenkinder nur eine kurze Freude ist, bleibt unseren Special Children gänzlich verwehrt. Sie können mit dieser Art von Spielzeug meistens nicht das Geringste anfangen oder es wäre einfach viel zu gefährlich sie damit spielen zu lassen. Dieses Geld hätte man bestimmt auch sinnvoller investieren können.
Die Besucher gehen. Was bleibt, ist ein aufgescheuchter Haufen Kinder. Durch das ständige Kommen und Gehen sind die Kleinen total aufgedreht. Sie rennen schreiend durch die Gänge, haben sich ständig in den Haaren. Argine macht sich vor Aufregung in die Hose obwohl sie schon längst trocken ist. Ganda kreischt durchs ganze Gebäude. Marvin bekommt einen spastischen Anfall.

All das zehrt an den Nerven. Im Waisenhaus sucht man im Advent vergeblich nach Besinnlichkeit.