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Im Zickzackkurs durch die Highlands

Völlig durchgefroren wache ich auf. Direkt am offenen Fenster hält die dünne Stoffdecke die Kälte des erwachenden Tages nur begrenzt von mir ab. Eine heiße Dusche verspricht Linderung, doch schon gestern hat mir der Durchlauferhitzer beim Versuch die Temperatur zu regeln einen Stromschlag verpasst. Strom, Wasser und Mensch zusammen auf engstem Raum vertragen sich nur bedingt. Meist zieht einer den Kürzeren. Da verzichte ich lieber.
Max ist Frühaufsteher. Während Sonja und ich noch unsere Sachen zusammenpacken kommt er schon wieder von seiner morgendlichen Erkundungstour zurück. Wir checken aus. Schnell kaufen wir noch etwas Proviant für die bevorstehende Fahrt. Gefrühstückt wird im Taxi.
Das Abenteuer kann beginnen!

halsema_22Sechs Stunden Busfahrt liegen vor uns. In Deutschland hätte der Bus wahrscheinlich schon vor einigen Jahren Probleme gehabt, den TÜV zu bestehen. Hier auf den Philippinen hingegen verrichtet das klapprige Gefährt noch immer anstandslos seinen Dienst.
Ein Großteil des Weges nach Bontoc führt uns über die berühmt berüchtigte Halsema Road im Zickzackkurs durch die Highlands von Nordluzon. Erst vor zwei Wochen wurde eben diese Region durch Taifun Parma von starken Regenfällen und Erdrutschen heimgesucht. Glaubt man dem Taxifahrer, sollen Teile der Strecke noch immer verschüttet sein. Gut möglich also, dass wir abschnittweise aussteigen und zum nächsten Bus laufen müssen. So könnten aus den veranschlagten sechs Stunden Fahrtzeit schnell acht oder mehr werden. Aller Sorgen zum Trotz stellt sich schon bald heraus, dass die Strecke mittlerweile wieder vollständig befahrbar ist. Problemlos lenkt der Fahrer sein röhrendes Ungetüm mit halsbrecherischer Geschwindigkeit über die gewundenen Bergstraßen – links hartes Felsgestein, rechts gähnender Abgrund.
Trotzdem erinnert noch viel an die Ereignisse der letzten Wochen. Weite Teile der Strecke sind nicht asphaltiert und ähneln so mehr einer staubigen Buckelpiste als einem Highway (so der offizielle Name der Route). Immer wieder türmen sich große Erdhaufen am Straßenrand auf. Bagger und Bauarbeiter sind mit Reparaturen beschäftigt. Manchmal findet sich eine frühere Straße in einigen Metern Tiefe am Berghang wieder. Ersatzweise wurde an alter Stelle eine neue mit Erde und Lehm fixierte, provisorische Verbindung geschaffen. Regelmäßig kommt es zu Verzögerungen, weil nur eine Spur befahrbar ist.
Während einer kurzen Rast wird der Motor mit kaltem Wasser bespritzt um die Kühlung zu unterstützen. Bei den hohen Drehzahlen kommt er an seine Belastungsgrenze. Dennoch geht es kurz drauf auf gewohnt heißen Reifen weiter. Dann: ein Zischen. Jäh wird die rasante Fahrt unterbrochen. halsema_12Wir haben einen Platten! In Anbetracht der Straßenverhältnisse kein Wunder. Und ich habe mich bei Fahrtantritt noch gewundert, ob zwei Ersatzreifen nicht vielleicht etwas übertrieben seien. Besser ist es! Mit geübten Handgriffen wechselt der Busfahrer zusammen mit dem Schaffner den unhandlichen Reifen.

Während ich die Busfahrt vor allem mit Schlafen, Lesen und gelegentlichem Fotografieren verbringe, macht Max Bekanntschaft mit seinem Sitznachbar. Der Lehrer am Provinz-College von Bontoc bietet uns freundlich seine Hilfe an. So begleitet er uns direkt nach der Ankunft in der Provinzhauptstadt in ein günstiges Hotel und führt uns ein wenig im kleinen Bergstädtchen herum. Abends gehen wir mit ihm zusammen einen trinken.