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Der erste Kontakt

salasa_01Kurz vor sechs. Ich schalte den Wecker aus, ohne dass er die Chance hatte zu klingeln. Habe ich überhaupt geschlafen? Müde bin ich jedenfalls nicht. Ich tappe ins Bad. Die kalte Dusche belebt die Sinne. Noch mit nassen Haaren mache ich mich auf den Weg in die Kirche. Einige wenige Menschen knien in den vorderen Bankreihen zum Rosenkranzgebet. Leise stimme ich in das Gemurmel der Gläubigen ein. Doch es ist kein Ave Maria, das über meine Lippen kommt. Viel mehr gehe ich im Kopf noch einmal die wenigen Sätze auf Tagalog durch, mit denen ich mich am Ende der Messe der Gemeinde vorstellen werde. Mit der Zeit füllt sich das Gotteshaus, sodass kurz vor Gottesdienstbeginn an die 400 Menschen in dem alten Kirchenschiff versammelt sind. Ich, während der Messe nur einer unter vielen, bekomme kurz vor dem Schlusssegen ein Mikrofon in die Hand gedrückt. Da stehe ich also vor der Gemeinde. 400 Gesichter schauen mich erwartungsvoll an. Plötzlich geht alles ganz schnell. Ich sage brav meine vorüberlegten Sätze auf ohne mich zu versprechen. Es gibt Applaus. Schon werde ich wieder zurück in meine Bank entlassen. Die Feuertaufe ist bestanden. Ähnliches wiederholt sich in der zweiten Messe eine halbe Stunde später. Während der kurzen Pause findet sich Zeit für es ein schnelles Frühstück. Nun sitze ich mit den Jugendlichen der Gemeinde zusammen in der Chorbank. Erste Bekanntschaften werden geknüpft.
Nach dem Gottesdienst treffe ich einige von ihnen beim allmonatlichen Youth Council wieder. Nun ist es an ihnen sich vorzustellen. All die Namen auf einmal sind schwer zu merken. Eine auffällige Kombination in Zusammenhang mit der Vorstellung insbesondere weiblicher Mitglieder ist der Beisatz „Ich bin noch zu haben!“ oder „Hast du eine Freundin?“. Zum Glück ist schnell klar, dass ich eine Freundin habe und dies auch so bleiben wird. Kurz drauf werde ich in einen benachbarten Raum geleitet. Dort ist ein Treffen des Pastoral Councils in vollem Gange. Es geht um Partnerschaftsangelegenheiten und die Aktivitäten im kommenden Monat.

Im Anschluss werde ich zum Mittagessen auf eine Tauffeier eingeladen. Der Vicemayor von Bugallon nimmt mich mit. Der ältere, etwas egozentrische Herr stellt meine Geduld auf eine harte Probe. Dem wenigen, was er zu erzählen hat, verleiht er durch stetiges Wiederholen Nachdruck. Er ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass ihm kaum auffällt, wie wenig er mein Interesse weckt. Ich mache gute Miene zum bösen Spiel. Immer wieder werde ich vorgestellt und rumgereicht. Ich werde das Gefühl nicht los, dass man sich mit der Begleitung eines Deutschen aus der Bistumspartnerschaft schmücken will. Schon zur Mittagszeit sagt der stellvertretende Bürgermeister zusammen mit ein paar Freunden einer Flasche Gin den Kampf an. Anstandshalber trinke ich ein Glas mit. Ich fühle mich nicht ganz wohl bei dem Gedanken, dass er mich auch noch heimfahren muss.