Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Zweifel und Gewissheit

„Heute geht’s endlich los!“
„Wirklich?“
„So sieht zumindest der aktuelle Plan aus.“
„Wer weiß wie lange der noch aktuell ist.“
„Naja, langsam wird’s schon mal Zeit!“

Unsere gepackten Taschen liegen griffbereit im Flur. Wir warten. Father Rey hat nur noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Mit einer Stunde Verspätung brechen wir auf. Trotz allem, so ganz glauben können wir es noch nicht. Heute fahren wir also endlich nach Manila um dort unseren Sprachkurs zu beginnen. –
Kaum eine Viertelstunde unterwegs, ich schiebe gerade den letzten Zweifel beiseite, da drehen wir auch schon wieder um. Monsignor Rey hat sein Handyladegerät vergessen. Nach dieser unfreiwilligen Umkehr machen wir uns nun endgültig auf dem Weg in Richtung Hauptstadt.
Gegen Abend treffen wir in Manila ein. Wir essen gemeinsam zu Abend. Die Nacht verbringen wir in einem Haus am Rande der Stadt. Es gehört der Verwandtschaft des Monsignors. Der Bungalow ist einfach eingerichtet. Es wirkt verwohnt und verlassen. Ein undefinierbarer Geruch liegt in der Luft. Hier muss schon seit Ewigkeiten nicht mehr sauber gemacht worden zu sein. Ich fühle mich unwohl. Zum Glück ist es nur für eine Nacht. Lange liege ich noch wach, ehe ich in einen unruhigen Schlaf falle.
Es ist 6:00 Uhr früh. Der Wecker reißt mich unsanft aus dem Schlaf. Wirklich erholt fühle ich mich nicht. Eine kalte Dusche hilft beim Wachwerden. Es bleibt keine Zeit zum trödeln. Denn eine Stunde später sitzen wir auch schon wieder im Auto um vor der Rush Hour zügig durch die Innenstadt zu kommen. Doch die Straßen sind voller denn je. In der Nacht zuvor ist ein ranghoher Würdenträger der protestantischen Nationalkirche Iglesia ni Christo gestorben. Tausende Menschen kommen von weit her um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Und wir kämpfen uns durch den chaotischen Stadtverkehr. Unser Fahrer schaut auf den Tacho. Für eine Strecke von 10 km haben wir ganze zwei Stunden gebraucht. Am liebsten wäre ich ausgestiegen und gelaufen.
Wir treffen Rey’s Tante Lourdes zum Frühstück in einem Restaurant. Ich bestelle Pfannkuchen mit Bananen und Walnüssen in Karamel. Eine willkommende Abwechslung zum allmorgendlichen Reis mit Fisch. Wir klären die Details unseres bevorstehenden Aufenthalts in Manila.
Sonja wohnt ab heute zusammen mit Schwestern in einem Konvent. Sobald dort ein zweites Zimmer frei wird, komme ich nach. Lourdes und ihr Mann Sam nehmen mich in der Zwischenzeit bei sich auf. Sie empfangen mich herzlich. Das Haus ist stilvoll eingerichtet. Dunkle Hölzer zieren das Wohnzimmer. Das Parkett ist angenehm kühl. Lou führt mich durchs Haus. Die Dusche besteht aus einem kleinen und einem großen Eimer Wasser. Später werde ich erstaunt feststellen, dass man auch auf diese Weise sauber wird. Und obendrein verbraucht man viel weniger des in Manila stark gechlorten Wassers.
Mein Zimmer ist gemütlich. Hier fühle ich mich wohl. Dennoch beschleicht mich der Gedanke, dass die beiden ihr Ehebett an mich abgetreten haben …
Ich werde ihnen auf jeden Fall ein kleines Dankeschön zum Abschied dalassen.

Während ich diesen Beitrag schreibe, spielt Uncle Sam ein flottes Jazz-Stück am Klavier. Der meist mürrisch dreinblickende einäugige Hausangestellte schenkt mir ein schiefes, zahnloses Lächeln ehe er mir ein Wasser anbietet. Ich komme nicht umhin, sein Lächeln zu erwidern und nehme dankend an.

2 Kommentare

  1. Sophie Sophie 5. September 2009

    Mann, ich bin völlig baff, was du alles erlebst! Obwohl ich mir nicht darüber im Klaren bin, wie ich an das Abo gekommen bin (??) lese ich mit Begeisterung!

  2. Chrissi Chrissi 6. September 2009

    Hey zacharias! bei dir klingt ja alles gut soweit. ich lese mit spannung, was dir so alles passiert.
    bei mir gehts nach fast einer woche ecuador endlich endgueltig in den dschungel zu meiner gastfamilie. heute waren wir in macas auf zwischenstop und zum umsteigen.
    ich freu mich, mal wieder was von dir zu hoeren! und viel glueck beim sprache lernen!