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Selfmade Farewell

Mein letzter Tag bei Sam und Lourdes. Das alte Ehepaar ist mir während der letzten Woche doch ans Herz gewachsen.

Morgens gehe ich noch zum Einkaufen auf den Markt. Eine Hausangestellte begleitet mich. Ohne Punkt und Komma brabbelt sie kaum verständliche Sätze. Sie spricht Englisch, aber mit ganz miesem Akzent. Zwischen Obst- und Gemüseständen betteln Kinder. Manchmal gebe ich Kleingeld. Heue habe ich nur Scheine. Sie herrscht mich an: „Why do‘ya keep all yo maney?“. Ich stutze. Sie verdient nicht schlecht im Hause Layola. Doch auch sie macht keine Anstalten ihrem Portemonnaie ein paar müde Pesos zu entlocken. Aber ich bin ja weiß, und ein Weißer ist nun mal steinreich!
Unter erschwerten Bedingungen klaube ich meine Lebensmittel für den kommenden Abend zusammen. Zum Dank und Abschied werde ich ein deutsches Abendessen für Uncle Sam und seine Frau zubereiten. Es gibt Rindersteaks mit Bratkartoffeln und Erbsen-Möhren-Gemüse. Zum Nachtisch habe ich am Vormittag bereits frischen Apfelkompott vorbereitet. Auch Sonja zu diesem selbstgemachten Farewell-Dinner eingeladen. Zum Glück hilft sie mir etwas beim Kochen. Die zwei Herdplatten erschweren die zeitgleiche Zubereitung der Speisen. Nach etwa einer Stunde verlassen wir die verwüstete Küche. Ich hoffe nur noch, es geschmeckt. Vor allem der Apfelkompott aber auch die in Zwiebeln und Knoblauch gegarten Bratkartoffeln finden rege Abnehmer. Das Rindfleisch ist saftig und zäh zugleich. Morgens auf dem Markt habe ich mir wohl das falsche Stück vom Rind abschneiden lassen, so vermute ich. Trotz dieses Wehrmutstropfens ist Lourdes schon ganz scharf auf mein Rezept.