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Lost in Translation

Samstagabend. Ich esse allein. Lou ist übers Wochenende in Cebu, Sam schon den ganzen Tag auf dem Tennisplatz. Ich wechsel ein paar Worte mit dem namenlosen Hausangestellten. Er hat heute gewissermaßen sturmfreie Bude. Ein Freund kommt vorbei. Jimmy heißt er. Wir schauen fern. Die Sendung ist ausschließlich in Tagalog. Mein Sprachkurs zeigt schon die erste Wirkung. Immer wieder höre ich Wortfetzen aus dem stetigen Gequassel heraus. Ich merke schnell, wie albern das Programm ist. Die anderen Sender versprechen keine Alternative. Ich unterhalte mich mit Jimmy. Schnell wird deutlich, warum wir uns auf Sender mit philippinischsprachigem Programm beschränken. Er spricht nur ein paar Brocken Englisch in sehr schlechtem Akzent. Es ist mühsam. Ich muss mich beherrschen einfache Worte zu benutzen, langsam zu reden. Vieles muss ich wiederholen. Oft reden wir aneinander vorbei. Ich versuche geduldig zu sein. Jimmy hat nur die Grundschule besucht. Danach musste schnell Geld ins Haus. Sehr gebildet ist er nicht, das merkt man schnell. So versuche ich ihm verzweifelt zu erklären, dass Kanada nicht zu Europa gehört. Als ich beginne, beispielhaft europäische Länder aufzuzählen, schaut er mich nur fragend an. Nach einem kurzen Moment des Schweigens bekommt er ein kurzes „Wat is dis, Great Britain?“ über die Lippen. Neu ist für ihn auch, dass es selbst über die philippinischen Landesgrenzen hinaus Fisch, Fleisch und Gemüse gibt …
„Von was sollen wir uns denn sonst ernähren?“, denke ich nur. Mich erschreckt die mangelnde Bildung des Jungen. Dumm ist er nicht. Aber wo soll er das alles auch gelernt haben, wenn nicht in der Schule? Dennoch, ihm geht es besser als vielen anderen. Der Hausangestellte starrt während unserer Konversation abwesend auf den Fernseher. Er kann gar kein Englisch. Lesen und Schreiben lernt er erst seit kurzem.

Nach drei Stunden gebe ich auf. Dafür schauen wir nun gemeinsam Bilder aus meiner Heimat an. Sie sind begeistert!