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Estudyante kami

… wir sind also wieder Schüler.

Es kehrt Alltag ein in Manila. Das gewöhnungsbedürftige Jeepneyfahren quer durch die Stadt ist mittlerweile eine der leichteren Übungen. Alles in allem finden wir uns doch ganz gut in der Großstadt zurecht. Seit zwei Wochen pendeln wir nun täglich für zwei Stunden Unterricht in die etwa fünf Kilometer entfernte Sprachschule. In Deutschland die Schule gerade erst ohne bleibende Schäden hinter sich gelassen, quälen wir uns nun schon wieder durch die Strapazen einer Bildungsanstalt. Ein strenger Lehrer. Jeden Tag neue, schwierige Themen. Hausaufgaben fallen eher länger denn kürzer aus. Vokabeln sind unser größter Feind. Nur wenige Worte sind aus dem Englischen oder Spanischen entlehnt, so zum Beispiel:

Lehrer (teacher) = titser
Auto (coche) = kotse

Beides wird genauso ausgesprochen wie im englischen bzw. spanischen Original, nur eben anders geschrieben. Alle anderen „original tagalesischen“ Wörter wollen eher schwer in den Kopf. Wer denkt bei dem Adjektiv matalino schon an intelligent?
Auch die Grammatik ist gewöhnungsbedürftig und nicht mit bisher Gelerntem vergleichbar. Findet einen Satz mit Subjekt, Prädikat, Objekt – Vergesst es! Ein philippinischer Satz besteht aus einem Thema (topic) und einem Kommentar (comment). Zusätzlich gibt es verschiedene Formen von Satzgliedern, eine ANG-, SA- und NG-Form, die selbstverständlich nichts mit einem bekannten Nominativ, Dativ oder Genetiv zu tun haben. Ein Beispiel:

Das ist ein schnelles Auto. = Kotseng mabilis ito.

Üblicherweise wird ein Satz bei der Übersetzung invertiert und entspricht so nicht mehr der gewohnten europäischen Reihenfolge. Pronomen rutschen in Abhängigkeit von Partikeln quer durch den ganzen Satz. Verben stehen grundsätzlich am Satzanfang. Ausnahme: das Verb sein. Das gibt es auf Tagalog nämlich nicht und wird einfach weggelassen. Schnell Auto ist also auf Tagalog schon ein ganzer Satz.
Trotz all diesem Chaos, langsam aber sicher machen wir Fortschritte. Unsere dahin gestammelten Sätze werden länger, der Wortschatz größer. Immer wieder schnappen wir Phrasen auf, die sich nach einiger Zeit zu sinnvollen Sätzen entschlüsseln lassen. Mittlerweile fängt es an Spaß zu machen. Meine anfänglichen Bedenken, am Ende kaum etwas vom Sprachkurs mitzunehmen, schwinden. Das einzige, was nach der Kürze der Zeit noch fehlen wird, ist Übung. Erst Übung macht ja bekanntlich den Meister. Wir müssen einfach viel schneller werden. Aber ich denke, Gelegenheit zum Üben werden wir im kommenden Jahr noch zu genüge haben.

Ein Kommentar

  1. Riza Harder Riza Harder 18. Oktober 2009

    Dear Zacharias,

    Thank you for explaining the structure of Tagalog grammar. After reading your comments, I got this idea to pass this on to my german husband. In this way, he can learn the Tagalog faster.

    Regards from freezy & rainy Hamburg,
    Riza