Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Bier und Blumen

Nach der Sprachschule besorgen wir auf dem Markt die Lebensmittel für die nächsten Tage. Vollbepackt mit Einkaufstüten laufen wir unsere Straße hinunter. Als sich vor dem Eingangstor zum Konvent unser Schritt verlangsamt schreit plötzlich jemand lautstark unsere Namen. Sonja fährt zusammen. Ich schaue mich entgeistert um. Die Stimme kommt aus dem benachbarten Blumenladen. Urheber des lauten Rufs ist Joey, der Besitzer. Trotz seines Alters scheint er noch immer quicklebendig, ein sehr fröhlicher Mensch. Er ist mit Mayeth, der Sekretärin des Konvents befreundet. Sie sitzt an seiner Seite. Von ihr hat er wohl erfahren, wie ruhig wir meinen Geburtstag begangen haben. Ihm fehlte eine gebührende Feier, so sagt er und komplementiert uns damit in seinen kleines Geschäft. Er hat offensichtlich Mitleid mit mir. So hat er schnell ein Telefon bei der Hand und bestellt Pizza. Mayeth lässt er Bier holen. Morgens um 11 Uhr!
geb_01Kurz darauf steht alles auf dem Tisch. Er drapiert eine Kerze auf dem bunten Belag aus Käse und Gemüse. Nach alter Geburtstagsmanier blase ich sie aus. Fotos dürfen natürlich nicht fehlen.

Schnell werden die ersten Flaschen geöffnet. Es herrscht ausgelassene Stimmung. Wir reden über Gott und die Welt. Ein reger Erfahrungsaustausch findet statt. Joey scheint gebildet, ist bereist. So war er schon in Europa, weiß wie die Welt an anderen Orten tickt. Wir diskutieren. Er denkt über Sachverhalte nach, erkennt Zusammenhänge und hinterfragt sie. Themen sind unter anderem die verschiedenen Einstellungen von Religion und der Umgang mit Armut.Vielleicht ist er ein bisschen zu streng mit der philippinischen Gesellschaft. Wir hören zu, halten uns aber mit Kritik zurück.
Das Gespräch macht müde. Vielleicht liegt es auch am frühen Bier. Gegen vier Uhr nachmittags verabschiede ich mich. Ich bedanke mich überschwänglich. Zufrieden falle ich ins Bett und halte nach philippinischer Tradition erstmal eine Siesta.

Ich habe mich wirklich sehr gefreut, doch noch etwas wie eine kleine Geburtstagsparty zu haben!

2 Kommentare

  1. Mama Mama 28. September 2009

    Hallo Großer,
    schön, dass Du unerwarteterweise doch noch zu Deiner Geburtstagsfeier gekommen bist. Es freut mich, dass es so weit weg von Zuhause liebe Menschen gibt, die zunächst scheinbar fremd, mit dieser Geste zu netten Freunden geworden sind.
    Grüße sie herzlich von mir und sage ihnen mein herzliches Dankeschön dafür.
    Liebe Grüße, Mama.

  2. Petra Händler Petra Händler 29. September 2009

    Hallo Zacharias,
    von mir auch einen Herzlichen Glückwunsch !!! Ich hoffe es geht euch gut und ihr habt noch ein Dach über dem Kopf und trockene Füsse.
    Wie ist bei euch die Situation ?? Hier in den Medien sieht man schlimme Bilder vom Taifun: Menschen sitzen auf Autodächern und warten auf Rettung, Strassen stehen unter Wasser…
    Gruss aus dem herbstlichen Frankfurt, Petra.