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Trip durch die Barangays

Gemeinsam mit Father Ed gehen wir an diesem Morgen zum nahegelegenen Social Action Center, der Koordinationsstelle für vielerlei humanitäre Maßnahmen der Diözese koordiniert. Diese umfassen zum einen Gesundheits- und Entwicklungsprogramme für Kinder, aber auch sozio-ökonomische Projekte, politische Aufklärung, Krisenmanagement, Umweltschutz und nachhaltige Landwirtschaft zum anderen. Finanziert werden diese Projekte hauptsächlich durch japanische bzw. koreanische Spendengelder sowie durch das deutsche Spendenhilfswerk Misereor.

Zum Zwecke der nachhaltigen Landwirtschaft ohne Genmanipulation, Hybridsaatgut von Großkonzernen und chemischen Düngemitteln wurde eigens eine Bio-Testfarm in der Nähe des Priesterseminars eingerichtet, die wir kurze Zeit später in Begleitung eines sehr auskunftsfreudigen Landwirtes besuchen. Außerdem lernen wir kennen, wie mit Hilfe von Würmern ein spezieller Bio-Dünger gefertigt wird, der zu erschwinglichen Preisen an Reisbauern verkauft wird.
Zu den weiteren Projekten der sozialen Einrichtung gehört die Unterstützung von besonders armen, nichtsdestotrotz aber lernbegierigen Kinder in Form eines Stipendiums vom Bistum Alaminos. Dieses umfasst nicht nur eine kostenlose schulische Ausbildung sondern auch die richtige Ernährung und medizinische Versorgung der Kinder.

Um die Lebensumstände der armen Bevölkerung besser verstehen zu können und sich so der Notwendigkeit für ein solches Stipendium bewusst zu werden, fahren wir nun in eine der kleinen abgelegenen Gemeinden, in ein Barangay namens Pangapisan. Die Menschen leben hier in erster Linie vom Fischfang und der Meersalzproduktion.
pangapisan_08Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Grundschule vorbei. Der Einladung, dieser einen kurzen Besuch abzustatten, kommen wir nach. Das Lehrerkollegium empfängt uns freudig. Von den Kindern werden wir allerdings nur mit großen Augen angestarrt und auf Schritt und Tritt verfolgt. Sie haben wohl noch nie zuvor einen Weißen in dieser entlegenen Gegend gesehen. Wir sprechen mit der Schulleiterin. Sie führt uns in der kleinen Schule herum und zeigt uns alles. Wir folgen nur stumm ihrem Finger und blicken auf vom Taifun zerstörte Klassenräume. Dächer fehlen oder sind nur provisorisch wieder zusammen geflickt worden. Ein Klassenraum ist völlig zerstört. Sie macht deutlich, dass sie auf der Suche nach einem Spender seien, der ihnen helfe, die Schule wieder aufzubauen, und schaut dabei erwartungsvoll zu uns hoch. Es war nicht einfach, ihr deutlich zu machen, dass unsere Mittel als internationale Freiwillige begrenzt sind. Wir verabschieden uns und lassen traurige und enttäuschte Gesichter hinter uns zurück. Wieder einmal werden wir uns unserer Hilflosigkeit auf schmerzhafte Art und Weise bewusst.

pangapisan_12Anfangs noch auf asphaltierten Straßen geht es bald nur noch über steinige und vom Regen ausgewaschene Buckelpisten weiter. Unser rostiger Pick-up kommt nur schleppend voran. Kurz darauf endet die befahrbare Strecke vollends und wir gehen zu Fuß auf schmalen Trampelpfaden weiter. Rechts und links sind Netze durch riesige Wasserbecken gespannt. Ab und zu passieren wir ein mit Wellblech verkleidetes „Warehouse“. Nach halbstündigem Fußweg erreichen wir die ersten Hütten. Fisch und andere Meerestiere werden auf dem Weg getrocknet. Es riecht streng. Überall liegt Müll. Marode Stromleitungen verbinden auf Holzpflöcken befestigt ein Haus mit dem anderen. Mehr oder weniger freundlich, aber stets in Begleitung des Ausrufs „Americano!“, werden wir von den Einwohnern des Barangays begrüßt. Jeder Weiße scheint hier gleich auch ein Amerikaner zu sein. Schließlich sprechen wir auch englisch.
Die Menschen leben hier am Existenzminimum. Sie verdienen mit Fischfang und Meersalzgewinnung gerade mal ein paar Pesos – ein Tageseinkommen von unter einem Dollar. Wir werden vom Captain des Barangays aufgenommen. Die Leute sind nett und gastfreundlich. Wir bekommen direkt einen Kaffee angeboten und viele unserer Fragen beantwortet.

Nach etwa einer Stunde verlassen wir das Fischerdorf schweren Herzens. Die Bilder des heutigen Tages müssen erst einmal verdaut werden.

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