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Je weiter sie rausfahren, desto weniger kehren zurück

Wir nutzen unsere freie Zeit an diesem Vormittag um im Supermarkt einige Einkäufe zu erledigen. Gerade Toilettenpapier entpuppt sich hier als lebenswichtige aber keinesfalls selbstverständlich verfügbare Nebensächlichkeit. Zum Glück bleibt mir die beinah aussichtslose Suche nach Tampons erspart.
Bald gesellt sich Brother Paul dem Suchtrupp hinzu um mit Sonja einen Stromadapter zu kaufen. Wir erfahren außerdem, wo wir unsere Wäsche günstig waschen lassen können. Faul wie ich bin, nehme ich die Gelegenheit natürlich prompt war. Sonja wäscht lieber mit der Hand.

bolinao_02Gegen Nachmittag fahren wir über Bani in Richtung Norden. Unsere nächste Adresse ist ein von Schwestern geführtes Altenheim. Der Anblick, der sich uns bietet, gibt ein beinah surreales Bild ab. Ein riesiger Betonklotz steht protzig auf dem höchsten Punkt des Dorfes und überragt damit die am Fuß des Berges liegenden Wellblechhütten um Längen. Wir betreten das Gebäude und tauchen ein in eine andere Welt. Alles ist sauber und aufgeräumt. Wir laufen auf Marmorboden. Durch weißte Gänge werden wir in die Großküche und die Wäscherei geführt. Es gibt einen Aufzug, Aufenthaltsräume, eine Bibliothek und geräumige Doppelzimmer mit Pflegebetten. Selbst für europäische Maßstäbe ist dies überaus luxuriös. Und hier sollen nun also die ärmsten der Armen, die Alten ohne familiären Rückhalt, völlig kostenfrei ihre letzten Lebensjahre verbringen. Ein vorgezogenes Paradies auf Erden. Es scheint fast so, als ob der Himmel bereits nach dieser auf dem Gipfel des Berges gelegenen Stätte greift.

bolinao_01Unser Weg führt uns weiter nach Bolinao. Der Priester der mehr als 400 Jahre alten Gemeinde, ein sehr eloquenter, schon etwas älterer Herr, führt uns herum und erzählt viel vom Leben der Menschen vor Ort. Auch hier ist der Fischfang die Haupteinkommensquelle.
Durch große Übersee-Fangflotten werden die Fischbestände immer weiter dezimiert. Um dennoch die nötigen Fangquoten zu erreichen, fahren die Fischer mit ihren kleinen Booten immer weiter aufs Meer hinaus. Erstrecht in der stürmischen Regenzeit kommt es immer wieder vor, das einzelne Fischer nicht von der See zurückkommen. An die 30 Familien verlieren pro Jahr ihren Vater. Es gibt viele Witwen.
Ein schwer verdauliches Thema. Trotzdem gibt es kurz darauf schon wieder essen: Reis in Bambus. Der Reis wurde zuvor in Zucker und Kokosmilch gekocht und danach in das Innere eines Bambusstückes gefüllt, eine hier verbreitete Spezialität. Im Laufe des Gespräches wird deutlich, dass ich wohl die Hälfte meines Auslandsjahres in der hiesigen Pfarrei verbringen werde. Dies sei bereits mit Father Rey und dem Priester in Salasa abgesprochen. Ich bin grundsätzlich allem Neuen aufgeschlossen. Mal sehen, was daraus wird.

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