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Glück gehabt

Schon am Morgen steht fest: Wir werden nicht in Manila bleiben.
Immer noch ist kein passendes Arrangement mit Unterkunft und Sprachkurs gefunden. Das Gepäck bleibt erstmal zu Hause stehen.

Mit atemberaubender Geschwindigkeit fahren wir in nur vier Stunden über die teils kurvige aber stets holprige National Road nach Manila. Nur kurz halten wir in Mangatarem, einer der letzten Pfarreien vor der südlichen Bistumsgrenze. Der Pfarrer freut sich über unser Kommen. So ist doch wirklich vor einigen Tagen ein Schreiben aus Deutschland, genauer gesagt aus dem kleinen und beschaulichen Pfaffenwiesbach eingetroffen, welches in deutscher Sprache eine Eheschließung bestätigt. Wie klein die Welt doch ist! Wir leisten erste Hilfe in der Übersetzung. Viel Zeit bleibt nicht, dann geht es auch schon weiter in Richtung Süden. In Manila angekommen treffen wir eine sehr wohlhabende und, so scheint es, einflussreiche Frau mittleren Alters. Sie leistet in mehreren Projekten aktive Wohltätigkeitsarbeit. Diesmal stellt sie kostenlose Medikamente für das Gesundheitsprogramm des Bistums zur Verfügung. Außerdem wird über Strategien zur Unterstützung der Taifunopfer und den Wiederaufbau ihrer Häuser diskutiert. Seltsamerweise sind bei diesem Fundraising nicht nur Vertreter des Bistums Alaminos anwesend. Auch zwei Colonels und ein Major der Philippinischen Armee nehmen angerengt an der Diskussion teil.

Voll beladen mit Medikamenten verlassen wir das eingezäunte und bewachte Villenviertel und kehren in das Verkehrschaos der Großstadt zurück. Neue Eindrücke stürmen auf uns ein: Eine Mutter sitzt mit ihrem kleinen Kind bettelnd im Regen. Ein Blinder tastet sich an einer roten Ampel langsam durch den stehenden Verkehr und bittet um ein paar Münzen. Kleine Jungen verkaufen Handtücher.
Wir schauen uns die Wohnung an, in der wir aller Wahrscheinlichkeit nach den kommenden Monat verbringen werden. Sie liegt in einer belebten Gegend der Stadt. Es ist laut und stickig. Die Menschen hier wohnen unter dem Einkommensdurchschnitt. Man sagt uns, es sei hier sicher. Jeden Tag sollen wir dann per Jeepney von unserer Unterkunft aus zur Sprachschule fahren, jeweils eine Stunde hin, eine Stunde zurück. Ich hoffe nur, wir werden uns in dieser Stadt zurechtfinden. Im Moment habe ich da noch meine Zweifel.

Am späten Abend geht es zurück nach Alaminos. Wir kommen zügig voran. Ich klappe meinen Sitz nach hinten und schlafe trotz unentwegtem Hin- und Hergeschüttel ein. –

Jäh wache ich auf und finde mich noch benommen im Fußraum des Geländewagens wieder. Das Auto steht. Lautes Geschrei. Hektik. Leute kommen angelaufen. Es riecht nach verbranntem Öl. Sonja fragt mich, ob es mir gut geht? Ich brauche einen kurzen Augenblick bis ich verstehe. – Kurz vor Alaminos hat unser Fahrer zwei Wasserbüffel angefahren. Beiden bluten und stehen benommen am Straßenrand. Schwer zu sagen, wie verletzt sie wirklich sind. Das Auto ist Schrott; der Motorraum auf die Hälfte seiner Größe zusammengefaltet und qualmt. Wir sind alle unverletzt. Ein Glück, wenn man bedenkt, dass hier die Autos auf den Rückbänken keine Anschnallgurte haben.

Die philippinische Nationalpolizei fährt uns nach Hause.